Tag 1 // Die Reise beginnt

Das Abenteuer begann. Bereits vor einer Woche hatte ich den formlosen Antrag auf Arbeitslosengeld II, beim Pöbel auch Hartz 4 genannt, eingesendet. Höflich aber bestimmt wies mich “die Eingangszone” der Agentur für Arbeit, so nannte man scheinbar die Mitarbeiter für den Erstkontakt, per Email darauf hin, dass ich mein Geburtsdatum bitte nachreichen sollte, der Vollständigkeit halber.

Es war ein Freitag im März des Jahres 2017. Heute war der große Tag gekommen an dem ich die offiziellen Unterlagen, den Hauptantrag und die anderen Anlagen abgeben wollte. Insgesamt waren dies zunächst 16 Seiten, die ich gewissenhaft und leidenschaftlich ausfüllte, mit dem letzten funktionierenden Kugelschreiber, der mir geblieben war. Abgefragt wurden unter anderem die Wohnverhältnisse, Einkünfte, Vermögen, und sonstige bürokratische Feinschmeckereien, die beim Ausfüllen so richtig Lust aufs Leben machten, wie die Höhner es wohl formuliert hätten.
Mir war nicht ganz bewusst, welcher Unterschied zwischen der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter bestand. Ich sollte später erfahren, dass dies mit dem Typus des Arbeitslosengeldes zusammenhing. ALG II wurde demnach nur in Jobcentern bearbeitet.
Die Sonne schien lässig auf mein ungepflegtes Haupthaar als ich zunächst zur falschen Adresse fuhr. Zwar war die Agentur für Arbeit hier ausgeschildert, hatte jedoch schon geschlossen und es gab auch keinen Briefkasten für Spätschalter wie mich. Vor der Tür standen ein paar von jenen Frauen, die man in Ämtern meist drinnen an falsch eingestellten Bürostühlen ganz krum und schlecht gelaunt sitzen sieht und bei deren Anblick man so richtig die Hoffnung und das Potenzial des Lebens eingeimpft bekommt. Aber ich gab noch nicht auf. Um A4 Umschläge zu besorgen, besuchte ich die Postfiale am Alexanderplatz. Ich stand dann etwas unschlüssig im langen Schatten des Kinos. Vor mir tobte das Leben, eine überfüllte Cocktailbar, Shoppingverrückte und eine dicke Stange Touristen. Hier floß sekündlich ein rauschender Bach an Geld, hier lachten die Menschen und alle genossen ihr wundertolles Leben. Hinter mir schweißte jemand auf einer Baustelle. Es war wie ein Abzug meines Lebens, denn ich stand zwischen diesen beiden Welten und hatte zu keiner dieser beiden so einen richten Zugang. Dann packte mich wieder das Interesse an meiner finanziellen Absicherung. Ich callte noch einmal die Servicehotline (kostenlos) der AfA an und man nannte mir eine andere Adresse. Als ich der netten Mitarbeiterin ein schönes Wochenende wünschte, spürte ich am anderen Ende der Leitung eine aufflammende Fröhlichkeit, die gepaart mit Erleichterung wohl dafür stand, dass bei ihr auch schon ganz andere Leute, mit einer anderen Attitüde angerufen hatten. Dieses Wort hatte ich zuvor am Vormittag bei einem Benefizfußballspiel für Obdachlose kennen- und schätzen gelernt. Vielleicht fiel ihr in diesem Moment aber auch einfach nur wieder ein, dass sie in den kommenden zwei Tagen von der Konfrontation mit dem Elend dieses Landes befreit sein würde. Ich fuhr also zur zweiten Adresse. Auch hier machte der Neubau auf mich einen düsteren Eindruck, abweisend und Seelenlos, die verspiegelte Front hatte nichts einladendes und das billige Logo der Arbeitsagentur über der Pforte turnte meinen kreativen Daumen auch nicht an. Immerhin gab es tatsächlich den besagten Briefkasten.

Ich hatte extra meine Arbeiterjacke angezogen, um im Kreise der Arbeitswilligen Bedürftigen nicht weiter aufzufallen. Dazu trug ich den ungepflegten 9 Tagebart mit leichten Essensspuren hier und dort jenseits der Mundwinkel. Im Schein der Sonne war mir aber nun ganz schön heiß geworden und die argwöhnischen Blicke der Leute in der Cafezeile nebenan taten das übrige um mich ins Schwitzen zu bringen. Um mich zu beruhigen ging ich zunächst über die Straße und in einen Hinterhof einer Art Neubauplatte. Da war ein Spielplatz und ich setzte mich auf eine der Banken. Dann unterschrieb ich noch jedes der Formulare und schob sie in einen der Umschläge. Ich sammelte meinen Mut und überquerte die Straße. Beim Briefkasten stand schon eine rundliche Frau, stereotyp mit gefärbten Haaren, Schlabbersachen und als sie den Mund öffnete, fielen mir die schwarzen Umrandungen der Schneidezähne auf, die zwischen Zahn und Zahnfleisch eine Art Schattierung darstellten, die aber wohl nicht ganz im Sinne von Bibis Beautypalace angedacht waren. Nun sind wir Geschwister dachte ich, als ich den Umschlag mit zitternder, heiß verschwitzter Hand einwarf.

Tag 2 // Die Wiedergeburt

Dirty verschmiert lag die Nacht über der Stadt. Nicht aber über meinem Gehirn. Ich war blitzhell wach. Schweißdurchsudelt war mein hellblaues Nachthemd und ich spürte den innerlichen Druck meiner Gedanken auf die Schädelinnenwand hämmern. Wie willenlose, unbändige Rabauken polterten sie durch mein Oberstübchen. Ich nahm einen Schluck Wasser zu mir aus der Kristallglaskaraffe, die auf dem staubigen Fensterbrett stand, ein Erbstück. Aber es wurde nichts besser dadurch. Ich vernahm den heftigen Pulsschlag und das rumoren des Blutes in meinen Adern. Ein großer Schrei oben in den Maschen meines Bewusstseins: “Nein, bloß kein Hartz, Junge, du kommst da nicht wieder raus, du versackst da, und aus dir wird einer von denen, die man in gutsituierten Kreisen nur verächtlich anschaut und voller Mitleid und du erreichst deine Ziele nie wieder, du wirst schnell altern und den Flaschen sehr anhänglich werden, billiger Fusel wird die letzten Reste deines nichtsnutzigen Gehirns zerfressen und die Tiefkühllasagne für 1,29€, 400Gramm wird dir die Metastasen in all deine Gedärme ballern, du verlierst dein Mittelgutes Aussehen, den letzten Rest deines Ansehens, wirst nicht mehr ausgehen und am Ende verkümmert in deinem Ledersessel eingehen, eins werden mit den tierlichen Überresten und niemand wird fragen, wo du abgeblieben bist. Dein schlechtes Gewissen wird dir so lange in deine jämmerliche Seele einprügeln, bis sie auseinanderbricht und kein Pattex dieser Welt sie reparieren kann, deine Bildung wird aus dir herausgleiten, wie ein haltloser Furz, sie wird abziehen und nichts wird davon übrigbleiben. Ein Netz aus Dummheit und Einfältigkeit wird sich wie eine schützende Hand über dich legen. Nur die Hoffnung auf neue Gutscheine von McDonalds wird dein Rückgrat aufrecht halten, 2 BigMac zum Preis von einem, richtig zuschlagen, dann zu Kik rüber, eine Line Plastikpartikel ziehen und auf der Parkbank einschlafen, vollkommen erschöpft vom Nutzlos sein.” So etwa lauteten die ersten Gedanken, die mir mein eigener Herr Prediger in dieser Nacht auf den Weg gab. Ein deftiger Schüttelfrost überkam mich und eine bodenlose Angst fesselte mich viele Minuten, in denen ich apathisch aus meinem Fenster auf den Fernsehturm sah und auf ein Zeichen wartete. Aber der blinkte nur, rot oben, rot unten, die Laternen waren auch so hell und der Selbsthass kehrte sich plötzlich nach außen, weg von mir, sogar noch aus dem Fenster raus, irgendwo hin zu der mir nicht bekannten Person, die das entschieden hatte, dass vor meinem Fenster das Licht um 2 Uhr nachts brannte und ich hasste sie für ein paar Minuten, denn sie war für alles verantwortlich, alles was der Prediger mir gesagt hatte würde wahr werden. Und Schuld daran war dieser Stadtplaner in der Beleuchtungsabteilung Berlin Mitte. Dann gab mir ein anderer Teil meines Bewusstseins eine heftige Ohrfeige: Es war die Einsicht und ihre Schwester die Zuversicht, die altbekannten Sicht-schwestern, deren Mutter die Übersicht war. Der Hass fiel wie ein dunkler Mantel von mir ab und die schändlichen Überreste meines vergangenen Ichs gebaren eine neue Version von mir, eine exakte Kopie, jedoch mit der Idee einer konstruktiven Verarbeitung meiner jämmerlichen Gedanken.

Wieder einmal war mir jedoch bewusstgeworden, wie geschickt die Angst im Hintergrund ihre kleinen hässlichen Fäden zog und dass es Menschen gab, die irgendwann so eingeschnürt und festverzurrt keinen Weg mehr hinausfinden. Ich beschloss in dieser Nacht mir immer eine Schere mitzunehmen, einen Notfallplan, ein Rettungsanker und einen großen dicken Koffer voller beschissener Metaphern.

Tag 3 // Das erste mal im Amt

Das nächste dicke Erlebnis wartete am Ende der Woche auf mich. Ich würde dann endlich in die heiligen Hallen des Jobcenters vordringen und mich bei einem Sachbearbeiter vorstellen und zudem meine restlichen Unterlagen abgeben. Was würde geschehen? Hätten sie direkt eine maßgeschneiderte Arbeitsstelle für mich. Gab es eine Bezeichnug für das was ich war? Konnte mein Sacharbeiter mich wieder auf den richtigen Weg bringen oder würde ich tatsächlich noch weiter abstürzen?

Der Freitag begann lässig. Ich kramte die letzten Formulare und Bescheide aus meinem Ordnersystem hervor, fertigte noch einen Stapel Kopien davon an und sprühte mir etwas Deo in meine braun-lockige Achselfrisur. Bei all der tummligen Tüchtigkeit vergaß ich einen Happen zu mir zu nehmen und so trat ich mit ganz knöchrigem Magen aus der Fahrstuhltür, griff meinen flottesten Drahtesel und schmiss mich auf die Fahrbahn. Es war gerade neun 9 Uhr. Aus meinen Kopfhörern schallte “Die immer lacht” von Kurzhaarkerstin Ott, der beste Sound für Motivation und den Pott.
Ich fuhr vorbei am Alexa, vorbei am wilden Getummel des Alexanderplatzes, vernahm den leichten Uringeruch an der Bahnunterführung, fuhr wieder über die Spreebrücken und hin zur grau-verglasten Fassade des Centers der Freude. Ich trat durch die schmale Schiebetür und ging geradezu auf einen Wachmann hin. Dieser musterte mich argwöhnisch, ich konnte spüren, wie er mein Akademikerdasein durch die dicke Polyesterjacke roch. Beschämt schaute ich zu Boden. Vorbei an einer endlosen Schalterreihe kam ich zu einem Treppenhaus in dem ich drei Stationen hinaufstieg und so in den Wartebereich 3.A98 47 gelangte. Hier saßen bereits ein grauhaariger Mann, eine Frutte mit Jeggins in schwarz, die durchaus elegant aussah und ein junger Herr mit Bugatti-Schuhen und einer Roger Cicero-Gedächtniskappe. Ich sagte knapp “Tach” und setzte mich in die eiserne Stuhlbank. Kurze Zeit später kam ein leich buckliger Jüngling mit hochgezogener Jeans, wo das Hemd eingeflochten war und rief mein Namen in den Saal. Durch eine Reihe ungeschmückter, kahler Gänge mit vielen Türen folgte ich ihm zu einem kleinen Raum, in dem ein Schreibtisch mit Computer, ein Aktenschrank und ein paar Stühle standen. Das ganze erinnerte mich an so Gefägnisaufnahmen aus ARD und ZDF-Serien. Ich strahlte ihn freundlich an, denn ich fühlte Zuversicht. Der Mann fragte mich allerlei Details zu meinem Leben und Hochschulabschluss und legte mir alle drei Minuten einen neuen Merkzettel vor, den ich kurz in der Breite überflog, in der Tiefe jedoch schlecht Luft bekam. Wie ein Irrer überlegte ich, ob ich bei der Frage nach Ausdauer und Motivation kurz die Geschnisse des vergangenen Abends erläutern sollte, wo ich innerhalb von 16 Stunden durchgehender Abreit ein herrliches Schloss in Minecraft gebaut hatte. Wie durch eine göttliche Eingebung verschwieg ich es dann doch lieber. Ich hatte dann ein zwei Fragen, zu Führerscheinfinanzierung und Praktikumstralala. Die Antworten waren wie die Einrichtung des Zimmers eher unmotiviert bis absolut pessimistisch. Wie ein guter Verlierer es anstrebt, lächelte ich über die tollen Antworten und freute mich so richtig auf die nächste Monate, ja fühlte mich in meinen Talenten und Stärken absolut gewürdigt und passend behandelt.

Dann überreichte mir der kesse Mitarbeiter mit der strähnigen Fritösen-Frisur noch ein leckeres Zusatz-Bonbon. Ich würde im Mai auf ein zweiwöchiges Seminar eingeladen werden, in dem Akademikern nochmal in einer Art Fresh-up-Kurs alles zu Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen mitgeteilt werden würde. Ich spürte aufrichtigen Frohsinn in mir hochwürgen und ging spontan zum Kollegen rüber und gab ihm einen richtig dicken Schmatzer auf seine brillenfreie Stirn. Er sagte, dass ich dann bitte gehen sollte. Mein Fazit zu diesem Gespräch ist zwiegespalten: Interessant war es natürlich, aber ich war mir absolut nicht sicher, ob die oberflächlichen Fragen irgendwie dazu führen konnten meinen durchaus speziellen Charakter mit seinen Eigenschaften und Fähigkeiten gerechtfertigt und passend in die Datenbank zu übertragen. Außerdem hatte der Typ keinerlei Idee oder Job für mich, weshalb der Begriff Jobvermittlung, der auf seinem Türschild stand, in Zukunft besser gestrichen werden sollte. Zum ganzen Center ist natürlich zu sagen, dass es dort einiges zu tun gibt, was Gestaltung und Innovation angeht und spontan aus der Bauchnudel raus würde ich sagen, dass ich mit einem Buget von 300000€ einen Ort des Optimismus und der Zuversicht daraus zaubern könnte. Den Vorschlag reichte ich per Feedbackzettel zwar ein, aber ich glaube nicht, dass sich jemand melden wird. Mit einem mulmigen Gefühl trat ich wieder auf die Straße. Orientierungslos ging ich in die Cafezeile nebenan und aß spontan ein Croissant mit Schinken und Fromage. Mir sausten unzählige Befürchtungen durch den Schädel. Ich hatte das Gefühl, dass ich in die Welt der Arbeit, des Schaffens und Produzierens irgendwie nicht hineinpasste. Ich müsste wohl schnellstmöglich einen Magier finden, der mein fehlerhaftes Puzzleteildasein mit einem scharfen Messer so zurechtschnitt, dass ich irgendwo exakt rein passte. Dann erinnerte ich mich an die fast verhallten Worte meine lieben Tante Gertrude aus Welkheim am Rimmel: “Putz dich heraus, aber stutz dir nicht die Flügel, die Venus, die hat viele Hügel”. Hatte sie gesagt. Ich wusste nicht ob der Spruch gerade passte, aber er brachte mir doch Zuversicht. Ich würde es versuchen, dachte ich und ballte meine Faust zu einer Siegergeste, wie ich es bei Dieter Bohlen im Musikvideo zu Cheri Cheri Lady gesehen hatte. Dann sah ich in die Skyline, ich würde sie erreichen. Soviel war klar. Die Frage war nur: wann?

Tag 4 // Der Sparfuchs

Die Skyline war also das selbstbestimmte Ziel. Das war wohl wieder so eine Metapher, die vorne und am Hintern nicht stimmte. Was wollte ich da oben? Eigentlich war ich gemacht für den Mittelstand, eher im unteren Drittel, noch im Dunstkreis der drohenden Armut, jedoch mit gelegentlichen Expeditionen ins Reich des Luxus und überflüssiger Materialität. Ich kam ja auch von da, ich kannte das fortwährende Sparen und das stete Bewusstsein für den Kontostand von Kindesbeinen an. Es war mir zugleich autodidaktisch, wie auch durch äußere Erfahrungen zugeflogen. Was ist eigentlich das Gegenteil von einem Sparfuchs? Irgendwas mit Gans würde ich annehmen, es muss ja eigentlich irgendein Tier sein, irgendwas jedenfalls, das finanziell aufs Ganze geht: Also ist meine Geschichte auch irgendwie die vom Sparfuchs, der sich zu einer aufs Ganze gehenden Gans entwickelt.

Rein theoretisch ist so eine Mutation mit einer Teufelsaustreibung vergleichbar: Im Sparfuchs steckt ja vielmehr als das pure Sparen, das Geld ist für jene Füchse mit einem abstrakten Wertebrei vermischt. Hoffnung etwa findet sich da, der Wunsch nach Sicherheit, eine Absicherung, eine Rücklage für schlechtere Zeiten, Kapital zur Erfüllung von Träumen, Wünschen, Plänen, gleichzeitig der Wunsch nach Unabhängigkeit, was paradox ist, da dieser Wunsch selbst schon abhängig macht, das Streben nach Freiheit, Spontanität und der Möglichkeit ganz plötzlich einen Wandel herbeizuführen. In der Theorie ist der Sparfuchs ein Gott, ein idealistisches Wesen, das aber den richtigen Absprung nie schafft, das nie herauskommt aus dem weitersparen und rechnen und planen, das im großen Kalkulationskarussell immer noch eine weitere Runde fährt. Der Sparfuchs ist also auch ein Kuscher, ein Kontrollfreak und einer, der sein Wohl im Morgen sieht.

Plötzlich hatte ich diese Eingebung, während ich auf das efeuberankte Dach vor mir schaute, auf das ein leichter Regen niederschlug. ich kramte in meiner Erinnerung und fand durchaus Gedanken- und Reflexionsfragmente, die in eine ähnliche Richtung funktioniert hatten, aber irgendetwas hatte mich immer davon abgehalten, so hart mit dem Fuchs in mir ins Gericht zu gehen. Dennoch verstand ich die Existenz des Fuchses. Es war die alte Geschichte der Grenzen. Irgendwo gab es sie immer, und wenn sie überschritten waren, dann konnte man Fuchs oder Gans sein. Je nach dem, was man auf dem Konto hatte. Bei wem eine dufte Zahl stand, dem waren die alltäglichen Geldsituationen nicht so wichtig, andersrum natürlich schon. Die Grenze war individuell, interpersonell, wie auch temporal. Vor ein paar Jahren wäre der Hartz4 Satz für mich eine Menge Geld gewesen. Aber Standards änderten sich, Grenzen verschoben sich, die Gewohnheit tat ihren Job mit Souveränität.

Dennoch wollte ich die Bedeutung, die ich dem Gelde zumaß verändern. Meine brachiale Ader bescherte mir folgenden inneren Monolog:

Das Geld loslassen, durch die Finger rinnen lassen, nicht so wie beim Schwimmen, die Finger ganz verkrampft zusammenpressen, damit die Brustschwimmtechnik einen besseren Effekt erzielt. Sondern die Finger voneinander abspreizen, erst ein bisschen, dass die Centdinger durchfallen, der bronzene Kaffeesatz im Portmonee, und dann noch ein bisschen weiter, so wie es von der Natur aus noch leicht von der Hand geht. Die dicken Stücke fallen dann auch durch, auch die zweifarbigen, mit den zwei metallenen Kreisen, mit denen man auch schon Essen gehen kann, und dann ist irgendwann auch alles egal. Du brichst dir einfach die Hände, dann schön mit der Kreissäge einmal durchfahren, zehn Mal ja sagen zum rauschenden Rinnen des Geldes, den Kleinen Finger, der leicht verkrümmte, dann den mit dem Ring, schwupp, das Blut suppt in den Elektromotor hinter dem Sägeblatt, aber weiter weiter, den Mittelfinger, den knorpligen Langen, dann der Zeiger, der Zweitmächtigste einer jeden Pranke, der agile und grazile, der Adlige unter den Tastern. Schließlich der Daumen, das Rückgrat der Hand, der kräftige dicke Stummel, mit der eigentümlichen Affenposition, die letzte Bastion des Rückhalts, abgeschnitten, leicht zuckend, und dann beginnt es von vorn, Stück für Stück, von eins bis Fünf fräst sich Metall durch Knochen und Fleisch, Haut spritzt, Blut gerinnt nicht, die Hände nur zwei fast Runde, leicht hohle Fleischplatten. Klatschen könnte man noch, ein Applaus geben für den Kapitalismus und sich selbst, für die eigene Existenz als wachsendes Zahnrad der Verschwendungsindustrie. Geld durch die Finger rinnen hören können, weil genug da ist, das will doch jeder von uns.

Da brach ich ab. Die Schwachsinnigkeit des Monologes stieg mir zu Kopf, ich wusste nicht mehr, ob ich einem Irrweg folgte oder einer inneren Eingebung, mich ganz auf den Konsum einzulassen. Es war wie eh und je. Die Sache hatte viele Seiten, viel was zu bedenken war und in jeder Sekunde erreichten mich neue Informationen. Geld nicht zu sparen bedeutete ja auch, in der Gegenwart zu genießen, zu investieren und vor allem, die unrealistische Hoffnung auf die Zukunft ein Stück abzubauen. Es konnte jeden Moment vorbei sein, und vielleicht erreichte ich die Skyline, die Mittelschicht oder was auch immer mich weiter oben erwarten würde, erst in 50 Jahren. Dann war es zu spät. Dann hatte es keinerlei Sinn mehr mir einen professionellen Federballschläger anzuschaffen. Ich ging also zum Decathlon und griff zu. Jahre später fand ich den Schläger verstaubt und verrostet im winzigen Kellerloch meines Loftapartments.

Folge 8: Das Grundeinkommen

Als Hartz-4-Empfänger spürst du schnell, wie breitgefächert Meinungen über diese Sozialleistungen in der Gesellschaft vorhanden sind. Irgendwie ist jeder dazu positioniert, jeder kennt jemanden, der das schon mal hatte, wie eine Krankheit, jeder beliest sich dazu, jeder hat schon mal dieses oder jenes gehört, Standpunkte polarisieren sich. Mein Fahrlehrer nennt uns zum Beispiel „die Hartzleute“, da spürst du schnell eine gewisse Distanz. An der Discounterkasse tuscheln manchmal die Angestellten sowas wie: „Ich sollte es so machen wie die und einfach Hartz beantragen, dann hat sich der Knochenjob.“ Andere sind verständnisvoll, wollen helfen und können sich vorstellen, dass es kein Wunschkonzert ist, auf dem Max Giesinger gute Laune und Geld verteilt. Dann gibt es die Vorwerfer, die mit pauschalisierenden Platituden wie „bei deinen Talenten“, „das hätte ich aber nicht von dir gedacht“ oder „früher warst du so engagiert“ das schlechte Gewissen exorbitant in die Höhe treiben. Eltern, Freunde, Verwandte, jeder hat eine Meinung und die Meisten äußern sie auch. Immer wieder kommt man automatisch auch auf das Thema bedingungsloses Grundeinkommen zu sprechen, das wie ein klebriger Geist durch die Gedanken der Leute spukt.

Erst gestern, es war ein grauer, wolkenbehangener Tag, schritt ich über den Alexanderplatz, die touristische Bummelmeile mit ihrer weitflächigen grauen Eintönigkeit. Zwischen Saturn und Sparkasse hatte eine Organisation eine große Anzahl an Grabkreuzen aus Pappe aufgestellt. Auf diesen Pappschildern stand jeweils ein individueller, wahrscheinlich wirklich geschehener Todesfall eines Hartz-4-Empfängers. Unter der Internetadresse „Die-Opfer-der-Agenda-2010.de“, jeweils mit Bindestrich dazwischen, konnten weitere Informationen abgerufen werden. Ich belas mir einige dieser Schilder. Die Geschichten der Menschen waren allesamt extrem verknappt dargestellt. Christy S. stach heraus, da sie bei einem Konflikt im Jobcenter von der Polizei erschossen wurde. Fabian R. nahm sich aus Hoffnungslosigkeit das Leben. Silvia erdrosselte erst ihr Kind und sprang dann aus dem 8.Stock. Andre K. starb an Unterernährung. Das war der Duktus. Tot, Hoffnungslosigkeit, Armut und mentale Enge. Auf einem Banner stand die provokante Schlagzeile „durch die Agenda 2010 kommen in Deutschland immer mehr Menschen ums Leben“. Gleichzeitig gestehen die Betreiber der Aktion ein, dass die von ihnen veröffentlichte Opferliste keine wissenschaftlich korrekte Aufarbeitung darstellt. Die Internetseite sieht auch nicht besonders seriös aus, hat ein bisschen was von Verschwörungstheoretikeroptik, auf der linken Seite ist eine Kette an negativen Zitaten von Politkern zu Hartz-4-Empfängern aufgelistet. In der Mitte befindet sich eine Art „Opferkartei“, die etwa nach Orten oder Zeiten geordnet war und wen die Berliner Todesfälle interessierten, der konnte auf 11 bekannte Geschichten zurückgreifen.

Farblich stechen immer wieder rote Textpassagen heraus, die etwas billig und ketzerisch anmuten. Die Betreiber nennen sich selbst leidenschaftliche Hartz4-Empfänger und hyperaktive Taugenichtse, wobei Leiden komplett groß geschrieben ist. Ein bisschen Selbstironie fehlt also nicht.

Mein Bruder sagt, fürs Grundeinkommen ist es zu früh. Und ich muss rechtgeben, dass ich auch denke, dass vor dem Grundeinkommen erst andere gesellschaftliche Umwälzungen von statten gehen müssen, nach dem grande Motto Aufklärung in Moral, Solidarität und Gerechtigkeit. Das Ganze klingt natürlich sofort nach Sozialismus, aber sozial sollten die Veränderungen schon sein.

Der erste Schritt ist eine Aufnahme empirischer Daten mit denen die zentralen Fragen beantwortet werden können: Wer ist unzufrieden mit seinem Job und möchte ihn nicht weitermachen? Welche Jobs sind generell in der Gesellschaft am unbeliebtesten. Welche Jobs sind zu schlecht bezahlt und welche Jobs sind zu gut bezahlt. Welche sind die beliebtesten Jobs. Es geht natürlich immer auch um die magischen Worte Qualifizierung, Selektion und Knappheit. Jedoch sollten wir bald soweit sein, dass Maschinen große Teile der schlechtbezahlten und unwürdigen Jobs übernehmen. Arbeit sollte jedenfalls, soweit sind sich wohl alle einig nicht nur dafür gemacht sein, dass man irgendetwas zu tun hat. Das Schulsystem muss darauf hinwirken, dass zukünftige Generationen in Puncto Selbstständigkeit, Kreativität und Eigeninitiative stärker ausgeprägt werden, sodass die immer größer werdende Zahl an Arbeitslosen oder Teilzeitbeschäftigten sich selbst Aufgaben suchen, Probleme beheben, helfen, lehren, lernen, Spaß haben und bumsfidel sind. Das war so ein kleiner wirrer Gedankensprudel in den ich hineingeriet, als ich über die Todesfälle las. Es schienen kleine Rädchen in der Maschine Welt zu geben, an denen man drehen konnte. Klar war aber auch, sobald man drin war in gutverdienenden Kreisen, mit einer tollen Krankenversicherung, einer schicken Wohnung, Kindern, Auto, Fernseher tralalalala, dass sich solche Gedanken wohl von selbst erübrigen würden.

Aber eigentlich sollten wir da alle hinschauen. Jeder sollte sich so ein bisschen dem Sud des Umfelds, der Eitrigkeit der Realität stellen, sich ein bisschen darin suhlen. Schlechte Laune bekommen, ganz betrübt werden, nur noch mit negativ konnotierten Wörter sprechen, die Mundwinkel nach unten, die Stirn in Falten gefaltet. Die Probleme scheinen zu groß, zu gewaltig, um sie anzupacken. Es ist einfacher sich ein Bierchen zu kaufen, auf die Parkbank zu setzen, und das Wetter zu genießen. Und vielleicht auch ein bisschen drüber lachen, über sich selbst, über seine eigenen Gedanken, über die Komplexität der Vorgänge. Und zwischen diesen Beiden Wegen, der totalen Aufopferung für alles und jeden und der totalen Ignoranz, liegt irgendwo, irgendwie, irgendwann wie immer der Kompromiss. Und zack ist man Politiker.

Folge 9: Der Berlin-Pass

Zum Standardrepertoire eines Hartzers gehören Bier, eine Jogginghose, der 10-Tagebart und natürlich die billigen Kik-Pantoletten aus Chinastyropor. So lautet das Klischee. Bei mir im Block, direkt an der Achsel Berlins sind tatsächlich solche Gestalten unterwegs. Man munkelt, die Mutation setzt erst nach einigen Monaten ein, wenn man faul wird und sich langsam aufgibt. In meinem Fall ist es also noch ein bisschen hin.

Vor kurzem war ich beim Mittelschichtsupermarkt Edeka einkaufen. Vor der Käsetheke stolperte ich fast in ein unfassbares Malheur, als ich zu einer 100g Rentner-Gauda-Packung griff. Es ist im Leben ja so, dass du generell, wenn man es genau betrachtet, nicht viel brauchst. Was du aber immer brauchen kannst, ist Käse. Und zwar in verschiedenen Formen. Den Edelpilz, harte, schmelzige und frische Käse, Aufschnitte verschiedener Fasson, Ofenkäse und natürlich diverse Reibekäsesorten.
Man stelle sich nun vor, dass Käse in diesem Fall nicht nur ein wohlschmeckendes leckeres Milcherzeugnis ist, sondern auch ein Synonym für Zeit. Der berühmte Philosoph Lucius Annaeus Seneca sagte einmal: Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.

Ein großer gesellschaftlicher Vorwurf an die Gruppe der Arbeitslosen war schon immer, dass diese sehr viel Zeit hätte, in der sie nichts tun würde. Was allerdings ist dieses Nichts von dem wir sprechen. Ist es der alkoholkranke Mann, der nichts weiter tut, als seine Leber auf Kosten des Staates Stück für Stück zu zerbröseln. Ist es die Frau, die bügelt, die den Haushalt schmeißt, Fernsehen sieht und auf dem Sofa eine gemütliche Zeit hat. Ist es der Jüngling, der ein Aussteigerleben im Wald führt, sich nur von Beeren und selbstangepflanzten Früchten und Gemüse ernährt. Ist es die Hellseherin, die ehrenamtlich in ihrem Block Tarotkarten legt für andere Arbeitslose oder ist es die hoffnungslose Schriftstellerin, die jeden Abend in der Eckkneipe sitzt und tagsüber versucht ein Buch zu schreiben, seit 10 Jahren. Ist das dieses Nichts von dem wir sprechen? Oder ist es der Akademiker, der jede Woche einen Podcast produziert und dabei ausschließlich auf Stereotypen zurückgreift? Zwinker zwinker.

Der Faktor Zeit macht sich immer dann breit, wenn man keine hat, dann will man sie.
Doch wendet sich das Blatt, bist du irgendwann satt. Vom Zeit haben.
Es reicht nicht immer sich an sich selbst und seinen Interessen zu laben.
Termine, Verantwortung, Struktur, das ist für die Meisten gesunde Natur, und ausgefülltes Leben pur. Und hast du ein Burnout, dann machst du `ne Kur.

Es ist nur wichtig, und äußerst vielschichtig, dass man was tut, sonst zerdenkt man sich bis aufs Blut, das tut nicht gut, die Zweifel lodern, wie eine unlöschbare Glut, und dann kommt die Wut, irgendwann ziehst du den Hut und die weiße Fahne, du kapitulierst, so ganz ohne Sahne.

Dann kommt die Hoffnungsinsolvenz, die positiv-denken-Demenz, das Auflösen der Selbstexistenz und schließlich die Sarg-Lizenz.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, ist Der Berliner Senat vor ein paar Jahren dem Beispiel anderer Städte gefolgt und hat den BerlinPass eingeführt. Seit einer Woche nun bin ich stolzer Besitzer dieses Sozialdokuments. Mit seiner Hilfe konnte ich mir gestern ein Monatsticket für faire 36€ leisten. Ich bin nun grazil mobil, mit Stil. Dazu kommen andere Vergünstigungen im Kultur- und Bildungsbereich. Ich könnte etwa für 3€ in die Oper gehen. Oder ins Theater. Alles ist fein säuberlich subventioniert.

Und während ich auf die zäh-hereintröpfelnden Antworten meiner zahlreichen Bewerbungen warte, werde ich die Zeit nutzen und mir für 2€ im Kabarett-Theater DISTEL ein Lachen auf die Lippen zaubern lassen. Hex hex.

Folge 10: Das erste Fazit

Staffelfinale. Oh lala. Das heißt wahrscheinlich: Fazituieren, Erzählstränge zusammenführen und selbstverständlich einen guten stabilen Cliffhanger bauen.

Vor 2 Monaten lag der Bescheid auf dem Tisch. Meinem Antrag auf Hartz 4 wurde stattgegeben. Mein Studium war abgeschlossen, die Bewerbungen hatten bisher zu nichts geführt. Der Staat reichte mir seine Stütze.

Das erste das in so einer neuen Situation da ist, ist Interesse. Interesse am Hartz-Alltag, am Amt, seinen Mitarbeitern, den Vorgängen und Strukturen dort, den Regeln und Maßnahmen, den Tipps und Tricks der Berater, die Meinungen der Bekannten, der Talk mit Verwandten, die Klischees und Stereotypen, eigene Reflexionen und Empfindungen. Der Wissensdurst ist enorm. An manchen Tagen taten mir regelrecht die Äuglein weh vom vielen Beobachten meiner äußerlichen Regungen im Spiegel.

Aber mit der Zeit wird das weniger. Wie immer wird das Neue Routine, die Straße wird zur Schiene.

Was dann kommt ist das Engagement, der unbedingte Wille sich daraus hinauszumanövrieren. Aus Tatendurst, aus Imagebewusstsein, aus finanziellen Gründen, aus dem Wunsch nach Weiterentwicklung und dem Druck der Leistungsgesellschaft. Man will ja ankommen irgendwo. Das Arbeitslosendasein ist nur ein Aufenthalt in einer Zwischensphäre, eine Gefangenschaft, die die Kleider der Freiheit trägt.

Du wurschtelst dich durch die Jobportale, durch unendliche Emailverteiler, liest Annoncen, zapfst die sozialen Netzwerke an und lässt Beziehungen spielen. Dann heißt es Bewerbungen rauskloppen, Portfolios schmieden, Anschreiben anpassen, den Sexappeal von Lebensläufen hochschrauben.

Dann immer wieder warten, hoffen, bangen, beten, Daumen drücken, Hände kneten. Es hagelt Absagen, aus diesen und jenen Gründen, meist jedoch ohne. Die sind die Linsensuppe, du bist die Bohne, die da einfach nicht reingehört. Dranbleiben und Zweifeln wechselt sich nunmehr ab. Das Selbstbewusstsein wird immer wieder durch so eine Art Käsereibe in kleine Stücke zerstäubt, die du dann aufsammeln musst, um sie wieder zusammenzusetzen.

Dann kommt ein neuer Tag, und mit ihm der naive Gedanke nach Besserung. Irgendwo in dir drin ist ja noch ein Stück, das glaubt, dass du wirklich in diese Berufswelt passt, die dir vorschwebt. Dass du dafür gemacht bist, aber auf eine bodenständige Art und Weise. Der Rest von dir schließt damit ab, fährt die Erwartungen herunter und lässt plötzlich öde Jobs attraktiv erscheinen.

Wenn das alles Zuviel wird, rücken die Zweifel am System, am Kapitalismus, an der Gesellschaft, der Orientierung an der bloßen Leistung in den Vordergrund. Plötzlich wirkt alles so unmenschlich, es erscheint dir, als wenn sich alles ums Geld drehen würde. Du setzt dich mit deiner Beziehung zu diesen Dingen auseinander.

Nebenbei jobbst du natürlich, denn genau jenes Geld ist das was dein Leben aufrechterhält. Und es gibt immerhin den Mindestlohn. Das ist ja schon mal nicht schlecht. Die alten Freunde Ironie und Sarkasmus kommen immer häufiger zu Besuch. Wie auch bei den Kollegen des Prekariats. Man floskelt sich so durch den Alltag.

Das Amt drückt dir eine Maßnahme aufs Auge zur Verbesserung deiner Bewerbungsqualitäten. Und über allem steht die Unsicherheit, der Wankelmut der Zukunft. Düster, grausam, qualvoll mag das alles erscheinen, doch es ist eher ein buntgemischter Salat, auch Hartzer Allerlei genannt. Die Phasen sind wechselhaft. Mut wird zur Verzweiflung, Trauer zu Hoffnung, Angst wird zu Zuversicht und Resignation zu Kreativität. Oder andersherum.

Es wühlt jedenfalls auf. Längst vergessene Persönlichkeitsbereiche, Fehler und Schwächen, Stärken und Talente treten zu Tage. „Daran müsste ich noch arbeiten“ wird zur täglichen Selbstgesprächsfloskel. Es tritt das Gefühl ein, dass das Optimale nicht genug sei, dass es oft wie ein Rouletterad ist, ein Zufallsfaktor der da mitspielt.

Doch es gibt auch Zahlen die Fetenlaune aufkommen lassen. Sie beziehen sich auf die Stellenausschreibung beim ZDF die heimlicher Favorit unter meinen Bewerbungen ist. Die Leute haben mir geantwortet. Das war so eine typische Wasserstandsmail. Auf die 15 vorhandenen Plätze haben sich lediglich 858 Personen beworben. Hört sich danach an, als wenn ich bald keine Zeit und Gründe mehr habe, um die neue Staffel Flucht aus dem Hartz zu schreiben. Chapeau. Grüß Gott. Es gibt dich ja doch.